Devello Immobilien AG
ZurückDie Devello Immobilien AG, mit Sitz in der Dehnhaide 71 in Hamburg, hat sich in der deutschen Immobilienbranche als ein Akteur mit einem spezifischen und anspruchsvollen Fokus positioniert. Als Aktiengesellschaft (AG) deutete die Unternehmensform bereits auf eine Geschäftstätigkeit hin, die über die klassische Vermittlung hinausgeht. Der offizielle Unternehmenszweck umfasste neben der Vermittlung von Verträgen über Grundstücke und Wohnräume explizit auch die Vorbereitung und Durchführung von Bauvorhaben. Insbesondere hat sich das Unternehmen auf die Revitalisierung von Bestandsimmobilien, vor allem großer Handelsimmobilien wie ehemaliger Kaufhäuser, spezialisiert. Diese Fokussierung auf komplexe Projektentwicklung hebt die Devello AG von vielen anderen lokalen Immobilienmaklern in Hamburg ab. Doch ein genauerer Blick auf die jüngste Unternehmensgeschichte und die Erfahrungen von Kunden zeichnet ein vielschichtiges und problematisches Bild, das im November 2023 in der Beantragung eines Insolvenzverfahrens gipfelte.
Vision und Geschäftsmodell: Die Wiederbelebung von Innenstädten
Das Geschäftsfeld der Devello Immobilien AG war ambitioniert. Das Unternehmen nahm sich Projekten an, die für viele andere Entwickler als zu herausfordernd galten: leerstehende Warenhäuser in deutschen Innenstädten. Ein prominentes Beispiel war die Übernahme des ehemaligen Karstadt-Gebäudes in Bottrop, in das das Unternehmen rund 20 Millionen Euro investieren wollte. Die Pläne sahen eine Entkernung, einen kompletten Umbau und eine kleinteilige Nutzung durch verschiedene Einzelhändler vor, was nicht nur die Immobilie selbst aufwerten, sondern auch die gesamte Innenstadt beleben sollte. Solche Projekte sind für Städte von enormer Bedeutung und erfordern ein hohes Maß an Expertise in den Bereichen Immobilienfinanzierung, Planung und Baumanagement. Das Engagement in diesem Segment erklärt, warum einige Beobachter dem Unternehmen auf nationaler Ebene eine hohe Professionalität zuschrieben.
Die Spezialisierung auf die Revitalisierung von Gewerbeimmobilien und die Umwandlung in neue Nutzungskonzepte ist ein entscheidender Baustein moderner Stadtentwicklung. Für Investoren, die an einer Kapitalanlage in Immobilien mit Wertsteigerungspotenzial interessiert sind, können solche Projekte äußerst attraktiv sein. Die Devello AG bediente genau diese Nische. Ihr Portfolio umfasste nach eigenen Angaben neben Handelsimmobilien auch Wohnbauprojekte und Hotelprojekte an Nord- und Ostsee, was auf eine breite Diversifikation innerhalb des Projektentwicklungsgeschäfts hindeutet.
Die Kundenerfahrung: Eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Während das übergeordnete Geschäftsmodell auf große, professionell geführte Projekte abzielte, stehen die öffentlich zugänglichen Kundenbewertungen in einem dramatischen Kontrast dazu. Die Erfahrungen, die insbesondere Privatkunden bei der Kontaktaufnahme machten, werfen ein schlechtes Licht auf die operativen Prozesse und den Kundenservice des Unternehmens. Mehrere Interessenten berichten übereinstimmend von einer völligen Funkstille seitens der Devello AG. Anfragen bezüglich eines Objekts, beispielsweise in Magdeburg, blieben demnach auch nach mehrfachen Erinnerungen unbeantwortet. Ein potenzieller Kunde äußerte sogar den Verdacht, dass die Inserate möglicherweise nur zum Sammeln von Adressen dienten (Phishing) oder die beworbenen Objekte gar nicht mehr verfügbar waren. Diese wiederholte Kommunikationsverweigerung ist für jeden, der eine Wohnung mieten oder ein Haus kaufen möchte, ein erhebliches Ärgernis und ein Zeichen mangelnder Professionalität.
Noch schwerwiegender sind Berichte über die Qualität der vermittelten Objekte. Ein Kunde beschreibt eine Immobilie als „total runtergekommene Absteige“, in der alles verschimmelt gewesen sei, und das zu Preisen, die „jenseits von gut und böse“ lagen. Solche Vorwürfe sind alarmierend und deuten auf gravierende Mängel in der Objektauswahl oder der Immobilienbewertung hin. Ein weiterer Kommentar stützt das Bild eines zwiespältigen Unternehmens: Während es auf nationaler Ebene professionell aufgestellt zu sein schien, wurde der direkte Kontakt mit einem Immobilienmakler vor Ort als „sehr unfreundlich“ empfunden. Diese Diskrepanz zwischen dem anspruchsvollen Image als Projektentwickler und der mangelhaften Betreuung von Einzelkunden ist auffällig.
Zusammenfassend lässt sich aus den Kundenstimmen ein Muster erkennen:
- Kommunikationsprobleme: Anfragen für ein Exposé oder allgemeine Informationen wurden systematisch ignoriert.
- Zweifel an der Seriosität: Es entstand der Verdacht, dass Objekte nicht real oder nur zur Datensammlung inseriert wurden.
- Mangelhafte Objektqualität: Es gibt schwere Vorwürfe bezüglich des Zustands und des Preis-Leistungs-Verhältnisses von Immobilien.
- Unfreundlicher Service: Die persönliche Interaktion wurde als unprofessionell wahrgenommen.
Demgegenüber steht eine einzige, sehr knappe Fünf-Sterne-Bewertung mit dem Kommentar „Alles Bestens!“. Ohne weitere Details hat diese positive Anmerkung jedoch wenig Gewicht gegenüber den detaillierten und konsistenten negativen Schilderungen.
Der finanzielle Kollaps: Insolvenz als logische Konsequenz
Die geschilderten operativen Mängel waren möglicherweise Vorboten der tiefgreifenden finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich das Unternehmen befand. Im November 2023 meldete die Devello Immobilien AG beim Amtsgericht Eutin die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens an. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter wurde bestellt. Dieser Schritt kam nicht gänzlich überraschend, da bereits zuvor eine Objektgesellschaft für das Bottroper Karstadt-Projekt Insolvenz angemeldet hatte.
Die finanzielle Schieflage erklärt viele der von Kunden erlebten Probleme. Ein Unternehmen, das ums Überleben kämpft, kürzt oft zuerst bei Personal und Service. Die fehlende Reaktion auf Anfragen könnte eine direkte Folge von überlasteten oder nicht mehr vorhandenen Mitarbeitern sein. Die Schwierigkeiten bei der Realisierung von Großprojekten, wie dem seit 14 Jahren leerstehenden Hertie-Gebäude in Neustadt an der Weinstraße, bei dem die Pläne der Devello AG ebenfalls ins Stocken geraten waren, unterstreichen die unternehmerischen Herausforderungen. Die Unfähigkeit, solche zentralen Projekte voranzutreiben, deutet auf massive Probleme bei der Immobilienfinanzierung und im Projektmanagement hin.
Was bedeutet das für potenzielle Kunden?
Für jeden, der aktuell überlegt, mit der Devello Immobilien AG in Kontakt zu treten, ist die Insolvenz die entscheidende Information. Das Unternehmen ist nicht mehr im regulären Geschäftsbetrieb. Alle Geschäfte werden nun vom Insolvenzverwalter überwacht. Dies bedeutet, dass der Kauf, Verkauf oder die Anmietung von Objekten, die noch unter dem Namen der Devello AG gelistet sind, mit erheblichen Unsicherheiten und rechtlichen Komplexitäten verbunden ist. Wer ein Grundstück kaufen oder eine andere Immobilientransaktion über dieses Unternehmen abwickeln möchte, sollte äußerste Vorsicht walten lassen und sich rechtlich beraten lassen. Die alten Kontaktinformationen sind wahrscheinlich nicht mehr zielführend; die Kommunikation muss über den bestellten Verwalter laufen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Devello Immobilien AG ein Unternehmen mit einer ehrgeizigen Vision war, die an der operativen und finanziellen Realität gescheitert ist. Die Kluft zwischen dem Anspruch als großer Projektentwickler und den negativen Erfahrungen im grundlegenden Maklergeschäft war ein frühes Warnsignal. Für den Immobilienmarkt in Hamburg und darüber hinaus ist der Fall ein Beispiel dafür, wie komplex und risikoreich die Projektentwicklung sein kann und dass ein professioneller Auftritt nicht immer mit solidem Kundenservice und finanzieller Stabilität einhergeht. Die negativen Bewertungen waren letztlich nicht nur Ausdruck individueller Unzufriedenheit, sondern Symptome eines Unternehmens in einer tiefen Krise.