Baugenossenschaft Mittelholstein eG
ZurückDie Baugenossenschaft Mittelholstein eG (BGM) ist eine feste Größe auf dem Kieler Immobilienmarkt und weit darüber hinaus. Mit einer Geschichte, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht, und einem Bestand von über 4.000 Wohnungen in Schleswig-Holstein, davon allein rund 2.700 in Kiel, ist die BGM kein gewöhnlicher Vermieter, sondern eine der etablierten Wohnungsbaugenossenschaften der Region. Das Geschäftsmodell basiert auf Mitgliedschaft: Mieter sind zugleich Mitglieder und damit Miteigentümer der Genossenschaft. Dieses Prinzip verspricht traditionell viele Vorteile, doch die Erfahrungen der Mitglieder zeichnen in jüngster Zeit ein gespaltenes Bild.
Das genossenschaftliche Versprechen: Sicherheit und bezahlbarer Wohnraum
Der grundlegende Vorteil des genossenschaftlichen Wohnens liegt auf der Hand und ist ein zentrales Argument für die BGM. Mitglieder erwerben Genossenschaftsanteile anstatt eine Kaution zu zahlen und erhalten dafür ein lebenslanges Wohnrecht. Eine Eigenbedarfskündigung, wie sie im privaten Mietsektor oft eine Sorge darstellt, ist hier ausgeschlossen. Das schafft eine enorme Sicherheit für die Bewohner. Historisch gesehen und auch heute noch wird die BGM für ihr exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis geschätzt. In Zeiten stetig steigender Mieten bietet die Genossenschaft stabilen und bezahlbaren Wohnraum, da sie nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf die Versorgung ihrer Mitglieder ausgerichtet ist. Eingenommene Gelder fließen direkt zurück in die Instandhaltung und den Neubau.
Ältere, langjährige Mitglieder berichten von einer Zeit, in der die BGM als fast „familiär“ galt. Anliegen wurden schnell und unkompliziert gelöst, die Verwaltung war freundlich und der Service exzellent. Ein positives Beispiel, das in Bewertungen genannt wird, ist der Service von Gästewohnungen für Freunde und Angehörige der Mitglieder – ein klarer Mehrwert, den nicht jede Hausverwaltung bietet. Darüber hinaus engagiert sich die Genossenschaft aktiv im Neubau und schafft damit dringend benötigten Wohnraum, teilweise auch im Bereich sozialer Wohnungsbau.
Schattenseiten: Wenn der Service nachlässt und die Kommunikation stockt
Trotz dieser soliden Basis häufen sich in den letzten Jahren kritische Stimmen, die ein anderes Bild zeichnen. Ein wiederkehrendes Thema in aktuellen Erfahrungsberichten ist der spürbare Rückgang der Servicequalität. Mehrere langjährige Mieter, die früher sehr zufrieden waren, beklagen heute eine mangelhafte Kommunikation. Berichte über unfreundliche Mitarbeiter am Telefon, unbeantwortete E-Mails und eine generelle Unflexibilität trüben den Gesamteindruck erheblich. Es entsteht der Eindruck, dass die Genossenschaft sich ihrer starken Position auf dem angespannten Wohnungsmarkt bewusst ist und sich einen solchen Umgang leisten zu können glaubt.
Die Kluft zwischen Alt und Neu: Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft?
Die vielleicht schwerwiegendste Kritik betrifft die ungleiche Behandlung von Mitgliedern. Während die BGM stolz ihre modernen Neubauprojekte präsentiert, fühlen sich Bewohner der älteren Bestandsimmobilien zunehmend vernachlässigt. Ein prägnantes Beispiel ist ein Neubauprojekt in der Fontanestraße: Anliegende Bestandsmieter mussten jahrelang Baulärm und Schmutz ertragen, wurden jedoch bei der Vergabe von neuen Annehmlichkeiten wie Miet-Stellplätzen übergangen. Diese wurden exklusiv den Bewohnern der neuen Anlage angeboten. Solche Vorkommnisse nähren den Verdacht einer Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb der Genossenschaft, was dem eigentlichen genossenschaftlichen Gedanken des Zusammenhalts widerspricht.
Diese Vernachlässigung zeigt sich auch im Zustand der älteren Liegenschaften. Es wird von ineffizienten Reparaturprozessen berichtet, bei denen Handwerker mehrfach für dasselbe Problem anrücken, anstatt eine nachhaltige Lösung oder einen Austausch zu veranlassen. Initiativen von Mietern, ihr Wohnumfeld selbst zu gestalten – etwa durch eine wohnlichere Dekoration des Treppenhauses – werden teilweise mit Abmahnungen unterbunden. Dies zeichnet das Bild einer starren Verwaltung, die den Fokus verloren hat, dass die Immobilien das Zuhause ihrer Mitglieder sind.
Der Weg zur Mitgliedschaft bei der BGM
Für Interessenten an einer Mietwohnung bei der BGM ist es nicht zwingend erforderlich, bereits Mitglied zu sein. Die Wohnungssuche erfolgt über die Kontaktaufnahme mit der Genossenschaft, die angesichts der hohen Nachfrage – insbesondere in Kiel – darauf hinweist, dass nur bei einem passenden Angebot eine Rückmeldung erfolgt. Kommt es zur Anmietung, wird der Beitritt zur Genossenschaft durch den Erwerb von Geschäftsanteilen vollzogen. Die Höhe dieser Anteile variiert je nach Wohnungsgröße und stellt eine einmalige Investition dar, die bei Auszug in der Regel zurückgezahlt wird und während der Mitgliedschaft sogar eine jährliche Dividende abwerfen kann.
Ein Fazit für potenzielle Mieter
Die Baugenossenschaft Mittelholstein eG präsentiert sich mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite steht das starke und attraktive Modell des genossenschaftlichen Wohnens, das Sicherheit, Stabilität und bezahlbare Mieten in einem angespannten Markt bietet. Die lange Tradition und der große Wohnungsbestand sprechen für sich. Auf der anderen Seite stehen die ernstzunehmenden und konsistenten Berichte über einen in den letzten Jahren erodierenden Service, mangelhafte Kommunikation und eine bedenkliche Ungleichbehandlung zwischen Mietern in Alt- und Neubauten. Wer eine Wohnungssuche in Kiel plant und auf ein Angebot der BGM stößt, sollte genau abwägen. Eine moderne Neubauwohnung kann eine exzellente Wahl sein. Bei einer Wohnung in einer der älteren Liegenschaften sollten potenzielle Mitglieder jedoch die geschilderten Kritikpunkte im Hinterkopf behalten und sich auf eine möglicherweise herausfordernde Kommunikation mit der Verwaltung einstellen. Der einstige „familiäre“ Charakter scheint einem bürokratischeren und distanzierteren Management gewichen zu sein, das den genossenschaftlichen Geist nicht mehr in allen Bereichen gleichermaßen lebt.