STACEY
ZurückSTACEY positioniert sich auf dem Immobilienmarkt nicht als klassischer Immobilienmakler, sondern als Anbieter eines modernen Co-Living-Konzepts. Das Unternehmen wurde 2019 in Hamburg gegründet, um dem Frust bei der Wohnungssuche entgegenzuwirken, und bietet möblierte Zimmer in Wohngemeinschaften an, die sich vor allem an Berufstätige, Studierende und Neuankömmlinge in Städten wie Hamburg, Berlin und Vallendar richten. Das Versprechen ist verlockend: ein unkomplizierter Anmeldeprozess, stilvoll eingerichtete Apartments und eine integrierte Gemeinschaft. Doch die Erfahrungen der Mieter zeichnen ein sehr gemischtes Bild, das zwischen innovativem Wohnkonzept und problematischer Umsetzung schwankt.
Das Konzept: Komfort und Gemeinschaft als Verkaufsargument
Auf den ersten Blick bietet STACEY eine attraktive Lösung für viele Herausforderungen der heutigen Wohnungssuche. Das "All-inclusive"-Modell, bei dem Miete, Nebenkosten, Internet und sogar eine wöchentliche Reinigung der Gemeinschaftsräume abgedeckt sind, verspricht ein sorgenfreies Wohnerlebnis. Positive Rückmeldungen heben oft die geschmackvolle und durchdachte Einrichtung der Zimmer und Wohnungen hervor. Ein Mieter beschreibt die Räume als „nett ausgestattet“ und das Apartment als „funktional und geschmackvoll gestaltet“. Ein weiterer Pluspunkt, der wiederholt genannt wird, ist der Community-Aspekt. STACEY organisiert regelmäßig Events, um die Bewohner zu vernetzen, und die gemeinschaftlichen Bereiche wie Co-Working-Spaces und Lounges werden als klares Highlight empfunden. Der wöchentliche Reinigungsservice, der nicht nur putzt, sondern auch Verbrauchsmaterialien wie Seife, Küchentücher und Spülmaschinentabs auffüllt, wird als exzellenter Service gelobt.
Digitale Prozesse mit praktischen Tücken
Die Modernität des Konzepts zeigt sich auch in digitalen Lösungen wie dem schlüssellosen Zugangssystem per Smartphone. Dies funktioniert laut einem Bewohner einwandfrei, birgt jedoch ein erhebliches Risiko: Ist der Akku leer oder das Handy verloren, steht man vor verschlossener Tür. Diese Abhängigkeit von einem einzigen Gerät ohne eine unkomplizierte Notfalllösung ist ein klarer Nachteil im Alltag. Auch der Buchungsprozess, der für einige Kunden reibungslos und mit kurzen Reaktionszeiten verlief, wirft bei anderen Fragen auf. So berichtet ein zukünftiger Mieter, dass ihm kein Mietvertrag in deutscher Sprache angeboten wurde – ein potenziell problematischer Punkt für den deutschen Rechtsraum.
Die Realität: Wenn das Versprechen nicht gehalten wird
Trotz der positiven Aspekte gibt es schwerwiegende Kritikpunkte, die potenzielle Mieter sorgfältig abwägen sollten. Die Diskrepanz zwischen den professionellen Fotos auf der Webseite und der vorgefundenen Realität ist ein wiederkehrendes Thema. Eine besonders drastische Erfahrung schildert eine Mieterin, die ihre gemietete Unterkunft am Mühlenkamp als „KATASTROPHE“ bezeichnete. Das Zimmer war kleiner als angegeben, das geteilte Bad stark verschmutzt, die Gemeinschaftsräume verdreckt und der Kühlschrank überfüllt. Sie gibt an, dass keines der Werbefotos aus diesem Gebäude stammte und die Hausverwaltung auf Beschwerden oder Kündigungen nicht reagierte, was schlussendlich zu rechtlichen Schritten führte. Solche Berichte werfen erhebliche Zweifel an der Qualitätskontrolle und der Transparenz der Immobilienverwaltung von STACEY auf.
Mängel, Wartung und versteckte Kosten
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist der Umgang mit Mängeln und Reparaturen. Eine Bewohnerin berichtet, dass selbst simple Reparaturen wie der Austausch eines Leuchtmittels monatelang auf sich warten lassen. In einigen Wohnungen, wie auf der Fischerinsel in Berlin, wird es im Sommer aufgrund unzureichender Vorhänge unerträglich heiß. Die Kommunikation mit der Hausverwaltung wird als mangelhaft beschrieben, was den Frust der Mieter zusätzlich verstärkt.
Besonders negativ fällt der externe Wäscheservice „WeWash“ auf, der in den Gebäuden angeboten wird. Anstatt einer einfachen Lösung finden sich Mieter mit einem System konfrontiert, das als „absolute Abzocke“ bezeichnet wird. Mit Preisen von rund 5 € für eine Wäsche und zusätzlichen 3 € für den Trockner – Waschmittel nicht inbegriffen – summieren sich die Kosten schnell. Dies widerspricht dem sorglosen „All-inclusive“-Versprechen und sorgt für erheblichen Unmut. Hinzu kommt eine nur rudimentäre Ausstattung der Küchen, die Mieter zwingt, grundlegende Utensilien wie Schneidebretter oder ausreichend Geschirr selbst zu kaufen. Dies untergräbt die Immobilienbewertung aus Sicht der Mieter erheblich, da die beworbenen Wohnimmobilien nicht vollständig nutzbar sind.
Preis-Leistungs-Verhältnis in der Kritik
Angesichts der genannten Mängel wird das Preis-Leistungs-Verhältnis von mehreren Mietern als nicht angemessen kritisiert. Die Preise für die Zimmer sind, wie auch in Online-Foren diskutiert wird, vergleichsweise hoch. Während das moderne Design und die Lage diesen Preis rechtfertigen mögen, schmälern die Probleme bei Sauberkeit, Instandhaltung und unerwarteten Zusatzkosten den Wert erheblich. Die Unfähigkeit, eine Wohnungsbesichtigung vor Vertragsabschluss durchzuführen, erhöht das Risiko für Mieter zusätzlich, da sie sich ausschließlich auf die Online-Darstellung verlassen müssen. Wenn dann die Realität, wie in einigen Fällen dokumentiert, stark abweicht, ist die Enttäuschung groß, insbesondere wenn die gezahlte Kaution und Miete bei vorzeitigem Auszug nicht erstattet werden.
Fazit: Ein Konzept mit Potenzial und erheblichen Risiken
STACEY bietet ein ansprechendes und zeitgemäßes Wohnkonzept, das für viele Menschen eine ideale Lösung sein könnte. Die Idee, möblierte Mietwohnungen mit Community-Faktor anzubieten, trifft den Nerv der Zeit. Die Umsetzung scheint jedoch stark von der jeweiligen Immobilie und der lokalen Verwaltung abzuhängen. Während einige Mieter eine positive Erfahrung machen, berichten andere von gravierenden Mängeln, die von mangelnder Sauberkeit über schleppende Reparaturen bis hin zu rechtlichen Auseinandersetzungen reichen. Potenzielle Kunden sollten daher Vorsicht walten lassen: Es ist ratsam, nach aktuellen Bildern oder Videos des konkreten Zimmers zu fragen, alle Kostenpunkte im Mietvertrag – insbesondere die Nutzung der Waschmaschinen – genau zu prüfen und sich über die Prozesse für Mängelmeldungen zu informieren. Das Geschäftsmodell bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone, die es ermöglicht, die Mietpreisbremse zu umgehen, was von Mietervereinen kritisch gesehen wird. Am Ende bleibt der Eindruck eines Unternehmens mit einer starken Vision, dessen operative Ausführung jedoch noch deutliches Verbesserungspotenzial aufweist.