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wertfaktor Immobilien GmbH

wertfaktor Immobilien GmbH

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Hallerpl. 14, 20146 Hamburg, Deutschland
Immobilienbüro
8.4 (101 Bewertungen)

Die wertfaktor Immobilien GmbH mit Sitz am Hallerplatz 14 in Hamburg hat sich in der deutschen Immobilienlandschaft mit einem spezialisierten und vieldiskutierten Geschäftsmodell positioniert: dem Immobilien-Teilverkauf. Dieses Konzept richtet sich primär an ältere Immobilieneigentümer, die im Alter in ihrem Zuhause wohnen bleiben möchten, aber gleichzeitig Kapital aus ihrem „Betongold“ freisetzen wollen. Das Unternehmen, das 2018 gegründet wurde und als einer der Pioniere dieses Modells in Deutschland gilt, hat seitdem für viel Aufmerksamkeit gesorgt – sowohl im positiven als auch im ausgesprochen kritischen Sinne. Eine Analyse der verfügbaren Kundenmeinungen und des Geschäftsmodells selbst zeichnet ein komplexes Bild, das potenzielle Kunden sorgfältig abwägen sollten.

Das Geschäftsmodell des Immobilien-Teilverkaufs

Bevor die Erfahrungen von Kunden beleuchtet werden, ist ein Verständnis des Kernprodukts unerlässlich. Beim Teilverkauf veräußert ein Eigentümer bis zu 50 % seiner Immobilie an wertfaktor. Im Gegenzug erhält er eine Sofortauszahlung. Der entscheidende Punkt ist, dass der Verkäufer durch ein im Grundbuch eingetragenes Nießbrauchrecht weiterhin in der Immobilie wohnen und sie uneingeschränkt nutzen kann. Für den verkauften Anteil zahlt der Bewohner jedoch ein monatliches „Nutzungsentgelt“ an wertfaktor. Dieses Modell unterscheidet sich von der klassischen Immobilienverrentung oder einem vollständigen Haus verkaufen mit anschließendem Mietverhältnis. Es ist eine hybride Lösung, die Liquidität schafft, aber auch neue finanzielle Verpflichtungen mit sich bringt. Wichtig zu wissen ist, dass wertfaktor Ende 2023 angekündigt hat, das Neugeschäft aufgrund gestiegener Zinskosten weitgehend einzustellen und sich auf die Betreuung von Bestandskunden zu konzentrieren.

Die positiven Aspekte: Kompetente Beratung und Transparenz

Ein Blick auf die positiven Kundenbewertungen zeigt ein klares Muster: Die Beratungsqualität wird wiederholt gelobt. Kunden heben namentlich Berater wie Herrn Stephan Wagenbrenner und Herrn Olaf Skrzynski-Fox hervor und beschreiben sie als höchst kompetent, zuverlässig, ruhig und freundlich. Ein Kunde, der selbst über 20 Jahre Erfahrung in der Finanzdienstleistung hat, bewertet die Organisation und Beratung als exzellent und würde „sechs Sterne vergeben, wenn es möglich wäre“. Ein anderer Kunde betont die „zu 100 % transparente Beratung vom ersten Tag an“. Diese Schilderungen suggerieren einen Prozess, in dem sich Kunden gut aufgehoben und verstanden fühlen – ein entscheidender Faktor bei einer so weitreichenden finanziellen Entscheidung, die das eigene Zuhause betrifft.

Die Schattenseiten: Scharfe Kritik am Modell und an der Praxis

Im starken Kontrast zu diesem Lob stehen äußerst kritische Stimmen, die fundamentale Probleme sowohl mit dem Geschäftsmodell als auch mit der Professionalität des Unternehmens aufzeigen. Diese Kritikpunkte lassen sich in mehrere Kernbereiche unterteilen:

1. Die finanzielle Belastung und die Kostenstruktur

Die wohl schwerwiegendste Kritik betrifft die langfristigen Kosten. Ein Kunde schildert detailliert, wie er nach einer Auszahlung von 100.000 Euro fünf Jahre lang monatlich 275 Euro zahlte, nur um dann mit einer Forderung von 497 Euro pro Monat für das nächste Jahr konfrontiert zu werden. Er kritisiert, dass der „Kredit“ nicht abgetragen wird und er als Bewohner weiterhin allein für sämtliche Kosten wie Grundsteuer, Versicherungen und die komplette Instandhaltung aufkommen muss. Dies ist ein zentraler Nachteil des Modells: Obwohl wertfaktor Miteigentümer wird, werden die laufenden Lasten oft nicht geteilt. Verbraucherschützer und die Finanzaufsicht BaFin warnen generell vor den hohen monatlichen Nutzungsentgelten, die sich im Laufe der Zeit als erhebliche finanzielle Bürde erweisen können.

2. Mangelnde Professionalität und fragwürdige Bewertung

Eine besonders negative Erfahrung berichtet ein Nutzer, der dem Unternehmen „Niveaulosigkeit“ und fehlenden Anstand vorwirft. Konkret wird behauptet, dass der Geschäftsführer Christoph Neuhaus vereinbarte Telefontermine nicht eingehalten und Anrufe weggedrückt habe. Darüber hinaus wird die Kompetenz des Unternehmens bei der Immobilienbewertung infrage gestellt. Der Nutzer gibt an, die Bewertung seiner Immobilie sei „überhaupt nicht“ korrekt gewesen und primär zum Vorteil von wertfaktor ausgefallen. Eine faire und marktgerechte Immobilienbewertung ist jedoch die Grundlage für das gesamte Geschäft und entscheidend für das Vertrauen des Kunden.

3. Interessenkonflikt beim Gesamtverkauf

Ein weiterer entscheidender Kritikpunkt taucht auf, wenn die Immobilie schlussendlich komplett verkauft werden soll. Ein Kunde, der den Teilverkauf zunächst als Notlösung sah, fühlte sich beim finalen Haus verkaufen „herb enttäuscht“. Seiner Wahrnehmung nach agierte wertfaktor nicht als Partner an seiner Seite, sondern orientierte sich eher an den Interessen des Käufers. Dies legt einen potenziellen Interessenkonflikt nahe: Während der ursprüngliche Eigentümer einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen möchte, könnte das Interesse von wertfaktor als Miteigentümer primär darin liegen, einen schnellen und für sich profitablen Abschluss zu sichern. Das Unternehmen erhält beim Gesamtverkauf ein sogenanntes Durchführungsentgelt, was die Kosten für den Verkäufer weiter erhöht.

4. Irreführende Werbung und rechtliche Auseinandersetzungen

Die Kritik am Geschäftsgebaren von wertfaktor hat auch juristische Konsequenzen nach sich gezogen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat erfolgreich gegen das Unternehmen geklagt. Das Landgericht Hamburg urteilte im Oktober 2024, dass wertfaktor irreführend damit geworben habe, dass die Entscheidungshoheit über Umbauten beim Verkäufer verbleibe. Tatsächlich benötigt der Verkäufer als Nießbrauchnehmer für bauliche Veränderungen die Zustimmung des Miteigentümers wertfaktor. Zudem wurde eine Beispielrechnung als irreführend eingestuft, da die erheblichen Kosten für das monatliche Nutzungsentgelt in der „Wertbilanz insgesamt“ nicht abgezogen wurden, was das Modell wirtschaftlich attraktiver erscheinen ließ, als es ist.

Für wen könnte das Modell dennoch infrage kommen?

Trotz der erheblichen Nachteile gibt es eine spezifische Zielgruppe, für die der Immobilien-Teilverkauf eine denkbare, wenn auch riskante Option sein kann. Es sind vor allem Menschen, die dringend Liquidität benötigen, aber aus emotionalen Gründen an ihrem Haus oder ihrer Wohnung hängen und einen vollständigen Verkauf scheuen. Oft sind klassische Bankkredite im Alter schwer zu bekommen. Der Teilverkauf bietet hier eine schnelle Lösung, um an Geld zu kommen. Wie ein Kunde es formulierte, entschied er sich „aus der Not heraus“ für diesen Weg. Es ist jedoch keine klassische Kapitalanlage oder eine günstige Form der Finanzierung, sondern ein teures und komplexes Finanzprodukt.

Fazit: Ein Modell mit zwei Gesichtern

Die wertfaktor Immobilien GmbH präsentiert sich als moderner Immobilienmakler und Finanzpartner, der eine innovative Lösung für eine ältere Generation von Immobilieneigentümern anbietet. Die positiven Berichte über professionelle und transparente Beratungsgespräche zeigen, dass das Unternehmen durchaus in der Lage ist, einen positiven Kundeneindruck zu hinterlassen.

Jedoch überwiegen die strukturellen Nachteile und die schwerwiegende Kritik in den detaillierten Erfahrungsberichten. Die hohen laufenden Kosten durch das Nutzungsentgelt, die volle Verantwortung für die Instandhaltung, potenzielle Interessenkonflikte beim Endverkauf und die durch ein Gerichtsurteil bestätigte irreführende Werbung zeichnen ein problematisches Bild. Das Modell ist komplex und birgt erhebliche finanzielle Risiken, die für Laien schwer zu durchschauen sind. Potenzielle Kunden, die über ein Wohnrecht durch einen Teilverkauf nachdenken, sollten sich daher unbedingt unabhängigen rechtlichen und finanziellen Rat einholen, um die langfristigen Konsequenzen vollständig zu verstehen, bevor sie eine Entscheidung von solcher Tragweite treffen.

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