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Werretal Urbanisations GmbH

Werretal Urbanisations GmbH

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Bunsenstraße 5, 32052 Herford, Deutschland
Immobilienbüro
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Die Werretal Urbanisations GmbH aus Herford hat sich auf ein spezielles Segment im Immobilienmarkt spezialisiert: die Entwicklung ganzer Neubaugebiete. Das Unternehmen agiert als Erschließungsträger, was bedeutet, dass es Ackerland oder Brachflächen erwirbt, diese in baureifes Land umwandelt – inklusive Straßen, Kanalisation und Versorgungseinrichtungen – und die parzellierten Grundstücke anschließend an Bauherren verkauft. Auf dem Papier ist dies ein attraktives Geschäftsmodell, das den Traum vom Eigenheim für viele Familien greifbar macht. Die Projekte, wie das Baugebiet „Birnbaumkamp“ in Lauenburg, ziehen aufgrund ihrer Lage und des Versprechens, ein individuelles Baugrundstück ohne Bauträgerbindung zu erwerben, großes Interesse auf sich. Die Realität, wie sie von zahlreichen Kunden und Geschäftspartnern geschildert wird, zeichnet jedoch ein deutlich komplexeres und problematischeres Bild.

Ein wiederkehrendes Muster: Verzögerungen und ihre Folgen

Das wohl gravierendste und am häufigsten genannte Problem im Zusammenhang mit Projekten der Werretal GmbH sind massive Verzögerungen bei der Erschließung der Baugebiete. Berichte von Käufern aus verschiedenen Projekten, insbesondere aus Lauenburg an der Elbe, schildern eine frustrierende Erfahrung. Einem Kunden wurde beispielsweise bei Interesse im Dezember 2020 eine Erschließungszeit von zwölf Monaten, zuzüglich einer dreimonatigen Schlechtwetter-Reserve, in Aussicht gestellt. Bei der Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrag im Februar 2021 wurde Ende November 2021 als Fertigstellungstermin genannt. Im März 2022, also weit über den ursprünglichen Zeitplan hinaus, lag jedoch immer noch keine Baufreigabe vor. Diese Verzögerungen sind keine Einzelfälle. Auch andere Käufer im selben Baugebiet berichten von immer wieder verschobenen Terminen – von Sommer 2021 über November 2021 bis hin zu März 2022.

Die Konsequenzen solcher Verzögerungen sind für die Käufer dramatisch. Viele haben ihre Baufinanzierung bereits abgeschlossen und müssen mit der Zahlung von Zinsen beginnen, ohne mit dem Bau ihres Hauses starten zu können. Einige berichten sogar von Strafzinsen, die von den Banken aufgrund der Nichtabnahme von Krediten erhoben werden. Diese finanzielle Doppelbelastung, oft neben der Miete für die aktuelle Wohnung, bringt Familien in erhebliche Schwierigkeiten. Die Situation im Baugebiet „Birnbaumkamp“ eskalierte so weit, dass sich die lokale Politik einschaltete und die Stadt Lauenburg schließlich rechtliche Schritte gegen die Werretal GmbH einleitete, da das Unternehmen seiner Verkehrssicherungspflicht über Monate nicht nachgekommen sei. Noch im Oktober 2022 waren in dem Gebiet Straßen, Gehwege und sogar die Beleuchtung unfertig, was die Lebensqualität und Sicherheit der bereits dort wohnenden Anwohner stark beeinträchtigte.

Kritik an Kommunikation und Geschäftspraktiken

Neben den Verzögerungen steht vor allem die Kommunikation des Unternehmens in der Kritik. Kunden bemängeln, dass sie nur auf aktive Nachfrage Informationen zum Baufortschritt erhielten und diese sich oft als unzutreffend oder beschönigend herausstellten. Es wird von einem Gefühl des „Hinhaltenwerdens und Belogenwerdens“ gesprochen. Selbst die Arbeiter vor Ort sollen teilweise über die Falschaussagen der Firmenzentrale informiert gewesen sein. Diese mangelnde Transparenz untergräbt das Vertrauen, das bei einem Immobilienkauf von fundamentaler Bedeutung ist.

Darüber hinaus werden bestimmte Geschäftspraktiken als fragwürdig empfunden. Ein Interessent berichtet, dass er bei der Reservierung eines Grundstücks stark unter Druck gesetzt wurde, den Kauf schnell abzuschließen. Ungewöhnlich sei gewesen, dass der Notar vom Verkäufer, der Werretal GmbH, fest vorgegeben wurde, obwohl es üblich ist, dass der Käufer diesen wählt. Als der Interessent vom Kauf zurücktrat, wurde eine „Bearbeitungsgebühr“ von 1.000 Euro fällig, ein Betrag, der als unverhältnismäßig hoch angesehen wurde. Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf stammt von einem Lieferanten, der nach eigener Aussage über 40 Stunden Arbeit für das Unternehmen leistete, aber bis heute auf die Bezahlung seiner Rechnung wartet und die Geschäftsführung nicht mehr erreichen kann.

Vertragliche und rechtliche Fallstricke

Die Erfahrungen deuten auch auf potenzielle Mängel in der Vertragsgestaltung hin. Ein Käufer schildert, dass im Kaufvertrag das notwendige Wegerecht für sein Grundstück nicht berücksichtigt wurde. Dies führte zu weiteren erheblichen Verzögerungen, da die behördliche Klärung im Nachhinein sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Während das Unternehmen in einer öffentlichen Antwort auf eine solche Kritik auf den Vertrag verweist und die Verantwortung dem Käufer und den Behörden zuschiebt, verdeutlicht der Fall, wie entscheidend eine sorgfältige und vorausschauende Vertragsgestaltung durch den Erschließungsträger ist. Für Laien im komplexen Feld des Immobilien-Rechts sind solche Details kaum zu überblicken, weshalb sie auf die Expertise und Sorgfalt des Verkäufers vertrauen.

Was spricht für das Unternehmen?

Trotz der überwältigend negativen Berichte gibt es auch positive Aspekte zu erwähnen. Das Unternehmen ist seit über 25 Jahren im Geschäft und hat nach eigenen Angaben bundesweit mehr als eine Million Quadratmeter Bauland entwickelt. Das Kerngeschäft, die Bereitstellung von bauträgerfreien Grundstücken, bedient eine hohe Nachfrage im Markt. Auf ihrer Website wirbt die Werretal GmbH mit Flexibilität, etwa der Möglichkeit für Käufer, die Grundstücksgröße selbst zu bestimmen, da die finale Vermessung erst nach dem Verkauf erfolgt. Einzelne Kundenstimmen, die auch auf der Unternehmenswebsite zu finden sind, loben die Mitarbeiter als nett und zuverlässig und beschreiben die Zusammenarbeit als kompetent. Eine Kundin merkte an, dass die Mitarbeiter zwar immer freundlich gewesen seien, dies aber nichts an den fundamentalen Problemen mit den Verzögerungen und der mangelhaften Informationspolitik geändert habe.

Fazit und Empfehlungen für potenzielle Kunden

Die Werretal Urbanisations GmbH ist ein etablierter Akteur im Bereich der Baulandentwicklung. Potenzielle Kunden, die ein Grundstück kaufen möchten, werden von den angebotenen Projekten in oft attraktiven Lagen angezogen. Die dokumentierten Erfahrungen von Käufern und Partnern zeichnen jedoch ein risikobehaftetes Bild. Die wiederholten und erheblichen Verzögerungen bei der Fertigstellung von Baugebieten, gepaart mit einer als intransparent und unzuverlässig empfundenen Kommunikation, stellen für jeden Bauherrn ein erhebliches finanzielles und emotionales Risiko dar.

Wer den Kauf eines Grundstücks von der Werretal GmbH in Erwägung zieht, sollte daher mit äußerster Sorgfalt vorgehen. Die folgenden Schritte sind unerlässlich:

  • Umfassende Recherche: Informieren Sie sich nicht nur über das aktuelle Projekt, sondern auch über den Verlauf und die Fertigstellungsdauer vergangener Baugebiete des Unternehmens.
  • Rechtliche Prüfung: Lassen Sie den Kaufvertragsentwurf sowie alle zugehörigen Dokumente von einem unabhängigen Fachanwalt für Baurecht prüfen, bevor Sie unterschreiben.
  • Feste Fristen vereinbaren: Bestehen Sie auf vertraglich klar definierten und verbindlichen Fristen für die Fertigstellung der Erschließung und die Baufreigabe, idealerweise abgesichert durch Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung.
  • Schriftlichkeit: Verlassen Sie sich nicht auf mündliche Zusagen. Alle Absprachen, insbesondere zu Terminen und Leistungen, müssen schriftlich festgehalten werden.
  • Finanzielle Puffer einplanen: Kalkulieren Sie bei Ihrer Baufinanzierung großzügige Puffer für mögliche Verzögerungen ein, um nicht unter finanziellen Druck zu geraten.

Der Hauskauf oder -bau ist eine der größten Investitionen im Leben. Eine kritische und gut vorbereitete Herangehensweise ist der beste Schutz vor unliebsamen und kostspieligen Überraschungen.

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